21.02.2017

IHK-Konjunkturbericht: Guter Start ins neue Jahr

Die regionale Wirtschaft ist gut ins Jahr 2017 gestartet. Zu Jahresbeginn laufen die Geschäfte so rund wie selten zuvor. Trotz einiger Unsicherheitsfaktoren sind die Betriebe zudem recht zuversichtlich. Und bei der Beschäftigung zeichnen sich neue Höchststände ab.

Die regionale Wirtschaft befindet sich zu Jahresbeginn in guter Verfassung. Geschäftslage und Aussichten legen gegenüber Herbst noch einmal zu. Sechs von zehn Unternehmen berichten von gut laufenden Geschäften. Weitere 36 Prozent vermelden zumindest eine befriedigende Situation. Die Lageeinschätzungen sind damit so gut wie selten zuvor. Ursache dafür sind ordentliche Umsatzzahlen. Zudem hat sich die Ertragslage auf einem ohnehin hohen Niveau sogar noch einmal leicht verbessert.

Gleichzeitig hält die Zuversicht unter den Betrieben an. Unbeirrt von einer ungewissen internationalen Wirtschaftspolitik bleiben die Erwartungen für die kommenden zwölf Monate von Optimismus geprägt. Das Gros der Unternehmen sieht eine weitere Entwicklung auf dem erreichten, guten Niveau. Mehr als jedes vierte Unternehmen erwartet in diesem Jahr sogar eine Verbesserung. Eine stabile Tendenz bei den Auftragseingängen untermauert diese Einschätzungen dabei.

In der Folge legt auch der IHK-Konjunkturklimaindex, ein gemeinsames Maß für die Lageurteile und die Erwartungen, um drei Punkte zu und steht nun bei 135 Zählern. „Diese Entwicklung ist erfreulich und verdeutlich die Robustheit der regionalen Konjunktur. Gegenwärtig ist jedenfalls auch 2017 von einem soliden Wirtschaftswachstum auszugehen“, kommentiert IHK-Präsident Dr. Peter Kulitz das Ergebnis der aktuellen Konjunkturumfrage.

Zentrale Stütze ist dabei der private Konsum. Dieser profitiert vom niedrigen Zinsniveau, einer gestiegenen Kaufkraft und der hervorragenden Lage auf dem regionalen Arbeitsmarkt. So verharrt die Januar-Arbeitslosenquote mit 3,3 Prozent weiter auf Vollbeschäftigungsniveau. Und da nunmehr fast jedes dritte Unternehmen von einem Stellenaufbau ausgeht, dürfte die Beschäftigung in den kommenden Monaten sogar weitere Höchststände erreichen. Denn zugleich wollen 60 Prozent der Betriebe ihren derzeit ohnehin hohen Personalstand halten.

Hinzu kommen weitere binnenwirtschaftliche Elemente. Neben den öffentlichen Ausgaben sind dabei auch von den Inlandsinvestitionen der Unternehmen gewisse Impulse zu erwarten. Zwar ist beim Investitionsklima keine weitere Zunahme auszumachen, die Investitionsbereitschaft erreicht aber erneut ein ordentliches Niveau.

Weiterer Treibstoff könnte zudem von den Exporten kommen. Denn beim Auslandsgeschäft fallen die Erwartungen merklich höher aus als noch im Herbst des Vorjahres. Vor allem in Europa werden bessere Absatzchancen gesehen. Hier macht sich die Fortsetzung der Erholung des Euroraums bemerkbar. Aber auch vom asiatischen und amerikanischen Markt wird eine Belebung des Auslandsgeschäfts erwartet. Somit schlägt sich bei all den Veränderungen der globalen politischen Landschaft bis dato nur das Brexit-Referendum negativ nieder. Denn bei den Exporten nach Großbritannien gehen die Unternehmen von einem Rückgang aus.

„Natürlich setzen die optimistischen Exporterwartungen voraus, dass protektionistische Maßnahmen von US-Seite unterbleiben“, ergänzt Kulitz. „Wichtig ist aber vor allem auch, dass die Bundesregierung und die EU auf keinen Fall vor solchen protektionistischen Tendenzen kapitulieren. Vielmehr sollte der Austausch mit Ländern intensiviert werden, die dazu bereit sind, wie beispielsweise Kanada, Japan oder auch China.“

Industriemotor legt höheren Gang ein
In der regionalen Industrie hat sich die Stimmung seit dem letzten Herbst spürbar verbessert. Die Nachfrage aus dem In- und Ausland konnte zulegen. Dies hat den Industriebetrieben eine verbesserte Geschäftslage mit steigenden Umsätzen und höheren Erträgen beschert. Hinzu kommt, dass der positive Nachfragetrend auch zu Beginn des Jahres 2017 weiter anhält und die Auftragsbücher füllt. Die Aussichten werden dementsprechend optimistisch beurteilt. Das Investitionsklima bleibt aufwärtsgerichtet. Im Gegensatz zu den vergangenen Monaten soll zudem auch verstärkt Personal aufgebaut werden. Als Risikofaktor Nr. 1 für diese positiven Erwartungen werden die politischen Entwicklungen und deren Auswirkungen auf den anziehenden Export gesehen. Zudem rücken auch die Energie- und Rohstoffpreise wieder mehr in den Fokus.

Mit Blick auf die einzelnen Industriesegmente, sind vor allem bei den Vorleistungs- und Investitionsgüterproduzenten positive Lageurteile auszumachen. In beiden Bereichen laufen die Geschäfte nun bei rund zwei von drei Produzenten gut. Anders verhält es sich mit der Konsumgüterindustrie. Hier hat sich die Geschäftslage gegenüber dem Herbst verschlechtert. Ein Anstieg bei den Auftragseingängen lässt für die kommenden zwölf Monate aber eine Belebung der Geschäftstätigkeit erwarten. Und auch die Vorleistungs- sowie Investitionsgüterproduzenten blicken zuversichtlich nach vorne. Somit fällt der Ausblick durchweg optimistisch aus.

Unterschiedliche Entwicklung im Einzel- und Großhandel
Die Einzelhändler melden eine geringere Umsatzdynamik als zuletzt. Das Weihnachtsgeschäft verlief durchwachsen. Zudem hat sich die Ertragssituation verschlechtert. Steigende Kosten und ein sich verschärfender Wettbewerbsdruck belasten. Gerade der stationäre Textil-Einzelhandel und die Sportgeschäfte leiden unter der Konkurrenz aus dem Internet. In den Gesamteinschätzungen zur aktuellen Geschäftssituation macht sich dies in einer Verschiebung von guten zu befriedigenden Lageurteilen bemerkbar. Und trotz eigentlich guter Rahmenbedingungen für den Konsum trüben sich auch die Aussichten ein. Acht von zehn Einzelhändlern erwarten in etwa gleichbleibende Geschäfte im Jahresverlauf. Beim Rest überwiegt die Skepsis. Die Investitionsbereitschaft sinkt. Beim Personal soll der Beschäftigtenstand aber weiter moderat erhöht werden.

Der Großhandel ist zum Jahresauftakt in guter Form. Ein stabiles Umsatzwachstum und eine beachtliche Ertragslage führen zu einer weiteren Aufwertung der Lageurteile. Rund drei von vier Betrieben geht es gut. Die Großhändler profitieren somit vom guten Geschäftsverlauf ihrer Kunden aus Industrie, Bau und Dienstleistungen. Insbesondere um den produktionsverbindenden Großhandel ist es gut bestellt. Aber auch die konsumnahen Großhändler stehen gut da. Und da die Tendenz bei den Bestellungen nach oben zeigt, bleibt der Ausblick von Zuversicht geprägt. So gehen die Großhändler auch für 2017 von einer positiven Umsatzentwicklung aus. Die Investitions- und vor allem auch die Beschäftigungspläne sind weiter expansiv ausgerichtet.

Dienstleistungsbranche floriert
Bei den Dienstleistern laufen die Geschäfte auf Hochtouren. Umsätze und Erträge haben sich gesteigert. Mehr als die Hälfte der Serviceunternehmen beurteilt die aktuelle Geschäftslage positiv. Gerade einmal zwei Prozent berichten von schlecht laufenden Geschäften. Die Tendenz der eingehenden Aufträge ist zwar etwas rückläufig, liegt aber immer noch auf beachtlichem Niveau. Daher erwartet auch jedes vierte Unternehmen einen weiteren Aufwärtstrend. Gut 70 Prozent gehen zudem von einer Fortführung auf dem erreichten guten Niveau aus. Die Investitionsbereitschaft ist weiter ordentlich. Problem bleibt der Fachkräftemangel, zumal nach wie vor Personal aufgebaut werden soll.

Die gute Stimmung zieht sich durch nahezu alle Servicesparten. Den größten Zuwachs an Zufriedenheit meldet dabei das Verkehrsgewerbe. Das Umsatzvolumen hat sich sowohl im Binnenverkehr als auch bei den grenzüberschreitenden Verkehren erhöht. Die Beförderungskapazitäten sind zu über 90 Prozent ausgeschöpft. In der Folge fallen die Lageurteile deutlich besser aus als im Herbst. Zulegen konnte auch das Hotel- und Gaststättengewerbe. Vor allem bei den Gäste- und Übernachtungszahlen ist ein Plus auszumachen. Rund zwei Drittel der Betriebe berichten von gestiegenen Umsätzen.

Gut bestellt ist es weiterhin auch um die unternehmensnahen Dienstleister. Zwar geben hier die Lageurteile leicht nach, das erreichte Niveau ist aber nach wie vor beachtlich. Weit weniger euphorisch stellt sich dagegen die Situation im Kreditgewerbe dar. Die niedrigen Zinsen halten bei den Kreditinstituten die Gewinnmargen klein. Zudem belastet die Regulatorik. Schlecht geht es dennoch keinem der Anbieter. Die Lage ist nicht gut, aber zumindest befriedigend.