13.01.2015

Braun-Steine besteht seit 140 Jahren

Anders agieren als die Wettbewerber: Mit dieser Taktik hat die Firma Braun-Steine - ein Mitgliedsunternehmen der Innovationsregion Ulm - schwierige Phasen in der Baustoff-Branche überlebt. Sie entwickelt und produziert auf der Schwäbischen Alb Betonsteine.

Beton ist ein Baustoff, der länger hält und stabiler ist als Asphalt. Allein der Umstand langer Haltbarkeit macht ihn zu einem nachhaltigen Baustoff, sagt Albrecht Braun, einer der geschäftsführenden Gesellschafter des Steineherstellers Braun-Steine in Amstetten. Der Familienbetrieb ist ähnlich robust und agierte bereits nachhaltig, bevor das Wort in aller Munde war. Er besteht seit 140 Jahren. Und steuert 150 an. Die Nachfolge der fünften Generation wird schon vorbereitet. Es ist geplant, dass Albrecht Brauns Sohn Felix nächstes Jahr die Vertriebsleitung übernimmt, sofern der Beirat zustimmt. Braun: "Es sind also Perspektiven da."

 

Ein Unternehmen zwischen Tradition und Innovation

"Es ist schön, wenn man sie hat - eine Geschichte. Darauf kann man aufbauen", sagt Braun. Und: "Man muss sich aber jeden Tag etwas Neues einfallen lassen." Anders sein als die anderen in der Branche lautet die Überlebensstrategie. Das Unternehmen auf der Schwäbischen Alb zog sich früh aus der Massenproduktion zurück ("Uns war klar: Damit gewinnen wir keinen Blumentopf an diesem Standort".) und wandte sich einer anderen Denkweise zu, in der die Gestaltung im Fokus steht. Mit einem neuen Verfahren werden die Betonsteine "auf alt" gemacht: Ihre Kanten werden in einer Trommel zerstört, so dass die Pflastersteine antik wirken. Die Idee stammte aus Australien, Patente ließen sich somit nicht erwerben. Aber: "Wir konnten uns mit der Marke durchsetzen."

Baustoffhersteller haben nicht das beste Image, unter anderem, weil Bauen mit großflächigen Bodenversiegelungen einhergeht. Hier setzt eine weitere Innovation an. Das schwäbische Unternehmen hat sich ein Beispiel an der Natur genommen - genauer: an den Wacken beim Schiefen Haus in Ulm -, und Steine entwickelt, bei denen die Versickerungsleistung über die Fugen erheblich höher ist als die entsprechenden Vorgaben verlangen. "Jeder Privatmann, jede Kommune kann so Oberflächenwasser versickern lassen, wo es entsteht - übers Grundwasser und nicht über kostspielige Kläranlagen", erklärt Wilfried Braun, ebenfalls geschäftsführender Gesellschafter und ein Cousin von Albrecht Braun.

 

Das Unternehmen ist Mitglied im UNW, dem Ulmer Initiativkreis nachhaltige Wirtschaftsentwicklung, und einer der Förderer des Stiftungslehrstuhls "Nachhaltiges Wissen, nachhaltige Bildung, nachhaltiges Wirtschaften". Es sucht seine Materialien erklärtermaßen unter Nachhaltigkeitsgesichtspunkten aus. Die Rohstoffe für die Betonsteine - Kies, Sand, Zement - werden in der Region gewonnen und aufbereitet. Und das Unternehmen beteiligt sich gemeinsam mit anderen Firmen in der Region an dem vom Bundesministerium für Arbeit unterstützten Projekt "Gesellschaftliche Verantwortung im Mittelstand". Dem Nachhaltigkeitsgedanken gibt das Unternehmen auch in den Fachsymposien Raum, die es im Zwei-Jahres-Rhythmus im Neu-Ulmer Edwin-Scharff-Haus veranstaltet. Das Forum, das sich an Planer und kommunale Entscheidungsträger richtet, behandelte jüngst die Themen "Querdenken in der Freiraumplanung" und "Nachhaltigkeit beginnt mit der Planung".

 

Braun-Steine ist mit einem Umsatz von 20 Millionen Euro (2013: 18,5 Millionen) einer der Kleinen unter den Großen der Branche, die erwirtschaften 100 Millionen Euro und mehr, sagt Albrecht Braun. Ein Tochterunternehmen der Steinmanufaktur Lithonplus sitzt unweit in Thalfingen, weitere Wettbewerber in Ostbayern, Hessen und im Rheingebiet. Das Unternehmen Braun-Steine beliefert den Fachhandel. Sein Kernmarkt ist der süddeutsche Raum, die Nordschweiz und Vorarlberg. Besondere Produkte wie ein spezielles Format des regenwasserdurchlässigen Pflasters werden aber auch bis nach Berlin geliefert.

100 Mitarbeiter sind in der Unternehmensgruppe beschäftigt: 70 in Amstetten und 30 in einer zweiten Produktionsstätte in Tübingen-Hirschau, die einst von der dritten Generation gemeinsam mit der Familie Aicheler gegründet wurde. Anders als in der Branche üblich, wird bei der Firma Braun-Steine der Mitarbeiter-Stamm das ganze Jahr über beschäftigt, obwohl die Saison nur neun Monate dauert, berichtet Wilfried Braun. Das gelingt über Arbeitszeitkonten und indem der Urlaub im Winter abgebaut wird.

 

Information

Aus der Firmenchronik

Anfang Mit einem Baugeschäft, das Martin Braun 1875 in Lonsee gründet, beginnt die Firmengeschichte. Der Urgroßvater von Albrecht und Wilfried Braun erschließt einen Steinbruch und baut Kalksteinschotter ab, den er bis nach Stuttgart liefert. In dem Steinbruch fanden etwa 20 Menschen Arbeit - so viele zeigt jedenfalls ein überliefertes Foto aus dem Jahr 1910.

Ehre Die Kalkstein-Produkte aus Lonsee genießen einen so guten Ruf, dass die Württembergische Krone davon erfährt. Sie lässt der Firma Braun 1914 eine außergewöhnliche Ehrung zuteil werden: den Status "Königlicher Hoflieferant".

Standortwechsel In Lonsee wird der Platz knapp. Der Produktionsbetrieb siedelt 1950 nach Amstetten um. Dort gibt es auch eine Bahnverladestation.

Wachstum Mit dem Betonwerksteinbetrieb Christian Aicheler in Tübingen-Hirschau wird 1970 die Firma Aicheler & Braun gegründet, die neben Pflastersteinen auch Mauersteine herstellt.

(Text: Südwest Presse Ulm)