18.10.2017

Die Wirtschaft im Alb-Donau-Kreis brummt

Der Wirtschaft im Alb-Donau-Kreis geht es gut. Nach den wirtschaftlichen Krisenjahren 2009 und 2010 hat sich die Lage kontinuierlich erholt. So hat sich auch die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten deutlich erhöht. Die Zahlen hat der Wirtschaftsbeauftragte für den Landkreis, Hans-Ulrich Zander, dem Verwaltungsausschuss des Kreistags am Montag vorgestellt. Er stellte zudem die Aktivitäten zur Wirtschaftsförderung im Kreis vor.

Der höchste Kirchturm der Welt, das Ulmer Münster (161,53 Meter). Die meisten Pendler des Alb-Donau-Kreises pendeln nach Ulm. „Der Alb-Donau-Kreis hat Vorteile durch Ulm und umgekehrt“, sagt Landrat Heiner Scheffold. Foto: pixabay

Knapp 52 000 Arbeitnehmer einschließlich Auszubildender waren im Jahr 2016 im Alb-Donau-Kreis beschäftigt. Seit 2013 steigt die Zahl kontinuierlich, 2009 waren es noch knapp 47 000 Angestellte. Allerdings, so erklärte Zander, sei die Zahl der Beschäftigten vergleichsweise gering. Das liege an den vielen Berufspendlern, die ihre Arbeitsstelle außerhalb des Landkreises haben. Rund 46 600 waren das 2016 und auch diese Zahl steigt; 2009 waren es noch gut 39 000. In den Landkreis hinein pendelten im vergangenen Jahr dagegen nur gut 18 000 Menschen zu ihrem Arbeitsort. Dass Menschen aus dem Kreis pendeln und das vor allem nach Ulm, sei traditionell so, erklärte Zander. Mit seinen etwa 120 000 Einwohnern und circa 87 000 Angestellten steche Ulm heraus. „Der Alb-Donau-Kreis hat Vorteile durch Ulm und umgekehrt“, sagte Landrat Heiner Scheffold. Im Vergleich mit anderen ländlichen Regionen sei der Alb-Donau-Kreis besser entwickelt. Klar sei aber, dass auch eine entsprechende Infrastruktur vorhanden sein müsse. „Wenn man 30 Kilometer bis zur Autobahn fahren muss, spielt das auch eine Rolle.“ Scheffold betonte im selben Zuge, dass die B 311 ausgebaut werden müsse.

Gewerbliche Hot-Spots

Doch auch im Alb-Donau-Kreis gebe es bereits „gewerbliche Hot-Spots“, erklärte Wirtschaftsbeauftragter Zander. Insgesamt gibt es - Stand 2014 - rund 8000 Betriebe im Landkreis, knapp 7400 davon kleinere mit bis zu neun Beschäftigten. Nur 15 Unternehmen beschäftigen 250 oder mehr Menschen. Knapp die Hälfte der Angestellten ist im produzierenden Gewerbe beschäftigt. Und auch das Hotel- und Gastgewerbe kann sich freuen: Mehr als eine halbe Million Übernachtungen gab es 2016 im Kreis, 2009 waren es nicht einmal 400 000.

Der Alb-Donau-Kreis kratze an der „Vollbeschäftigung“, betonte Zander zudem. 2016 waren 3220 Menschen arbeitslos, etwa drei Prozent. 2009 waren es noch um die vier Prozent.

Als Wirtschaftsbeauftragter berät, fördert und unterstützt Zander Betriebe und Existenzgründer im Landkreis. Viele Start-ups seien junge IT-Firmen, aufgrund der Hochschulen gebe es aber auch einige im Bereich Ingenieurswissenschaften, erklärte Zander. Zudem habe sich im Bereich Logistik viel getan. Außerdem ist er für die Tourismus- und Gewerbeförderung zuständig. Dabei gibt es verschiedene Programme, etwa „TFU Technologie-Förderung-Unternehmen“ für kleine und junge Betriebe, das EU-Programm „Leader“ und 15 Start-ups haben sich zur „Start-up-Region Ulm“ zusammengeschlossen. Zentral ist zudem das Entwicklungsprogramm Ländlicher Raum ELR. Hier wurden zwischen 2012 und 2016 234 Maßnahmen und Projekte bewilligt. Im privat-gewerblichen Bereich waren darunter 64 Zuschüsse mit einer Höhe von 4,5 Millionen Euro. Diese lösten Investitionen von knapp 50 Millionen Euro aus.

Problem Erbach

Hier meldete sich Achim Gaus, Bürgermeister von Erbach zu Wort und berichtete von dem Problem, dass Erbach als Verdichtungsraum eingeordnet werde, dadurch gebe es keine Mittel aus dem ELR. „Man sitzt zwischen den Stühlen“, sagte Gaus. „Die Grundstückspreise orientieren sich an Ulm und Unternehmen haben keine Chance an Förderungen zu kommen.“ Schon mehrfach seien deshalb Unternehmer auf die Stadt zugekommen. Im Landesentwicklungsprogramm sei festgelegt, was als verdichtet gilt und was nicht, erklärte Landrat Scheffold. Es gehe darum, dass Mittel nicht in Ballungsgebiete abfließen. Er verstehe das Anliegen aber sehr gut. (Text: Dominik Prandl/Schwäbische Zeitung)