30.10.2015

Landkreis Neu-Ulm: Bilanz zum Ausbildungsjahr

Auch in diesem Berufsberatungsjahr (vom 1.10.14-30.09.15) gab es im Bezirk derAgentur für Arbeit Donauwörth, zu dem auch der Landkreis Neu-Ulm gehört, wieder mehr Ausbildungsstellen als Bewerber dafür. Die Bilanz zum Ausbildungsjahr 2014/2015 – gute Ausbildungschancen für Jugendliche im Landkreis Neu-Ulm, aber 144 Ausbildungsstellen bleiben unbesetzt.

Es sind noch Ausbildungsplätze frei - vor allem in den Bereichen Kaufmann/Kauffrau und Bürokommunikation.

Andreas Vaerst, der Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Donauwörth, informierte über die aktuelle Bilanz: “Zum Stichtag 30.09. standen 144 unbesetzten Ausbildungsstellen 8  unversorgte Bewerber gegenüber. Wir können auch in diesem Jahr im Landkreis Neu-Ulm wieder von einem sogenannten „Bewerbermarkt“ sprechen: Im Laufe des vergangenen Jahres wurden uns  mehr als 1.300 Ausbildungsstellen zur Besetzung gemeldet und auf der anderen Seite suchten deutlich weniger junge Leute, nämlich gut 1.150 Bewerber mithilfe der Berufsberatung eine Stelle. Diese Differenz zwischen Stellen und Bewerbern gibt es nun schon seit mehreren Jahren in unserer Region, gerade für kleinere Betriebe und im Handwerk ist es derzeit schwierig, geeigneten Nachwuchs zu finden. Demografischer Wandel und eine gute wirtschaftliche Lage wirken sich für die jungen Leute positiv aus, sie können in vielen Berufsbereichen auswählen.“. So gibt es in den Berufsbereich Handel und Vertrieb, Produktion und Fertigung und Bau deutlich mehr Stellen als Bewerber, nur im Bereich Büro und Verwaltung gibt es weniger Stellen als Bewerber.

 

Berufsausbildungsstellen

Im Beratungsjahr 2014/2015 meldeten die Ausbildungsbetriebe der Agentur für Arbeit in Neu-Ulm und Illertissen für den Landkreis Neu-Ulm insgesamt 1.301 Ausbildungsstellen. Dies bedeutet im Vorjahresvergleich eine Zunahme von absolut 53 bzw. 4,2 Prozent.
Unter den TOP 10 der gemeldeten Ausbildungsstellen nahmen die Berufe Kaufmann/frau im Einzelhandel (96), Industriekaufmann/frau (59), Kaufmann/frau im Groß- und Außenhandel (57), Verkäufer/in (54), Fachkraft – Lagerlogistik (53), Zahnmedizinische/r Fachangestellte/r (47), Kaufmann/-frau für Büromanagement (41), Medizinische/r Fachangestellte/r (41), Zerspanungsmechaniker/in (39), Fachverkäufer/in. –Bäckerei (35) die vorderen zehn Plätze ein.
Mit Stichtag 30. September waren noch 144 Ausbildungsstellen unbesetzt. Insbesondere handelt es sich dabei um Ausbildungsstellen für Kaufleute im Einzelhandel, Friseure, Verkäufer, Fachverkäufer-Fleischerei, Köche, Restaurantfachleute, Zahnmedizinische Fachangestellte, Bäcker, Fleischer und Fachkräfte für Küchen-Möbel-Umzugsservice.

 

Nur leichter Rückgang bei den Bewerbern im letzten Berufsberatungsjahr

Im letzten Berufsberatungsjahr haben sich insgesamt 1.152 Bewerber bei der Berufsberatung der Agentur für Arbeit in Neu-Ulm oder Illertissen gemeldet. Das waren 50 (minus 4,2 Prozent) weniger als im Vorjahr.          

 

Was wurde aus den1.152 Bewerbern?

Der Anteil der Bewerber, die in eine duale Ausbildung eingemündet sind, lag ähnlich wie im Vorjahr bei knapp 54 Prozent. 23,9 Prozent der Bewerber haben sich für einen weiteren Schulbesuch oder ein Studium entschieden und 2,0 Prozent münden in gemeinnützige oder soziale Dienste ein (z.B. Bundeswehr, Zivildienst). 3,4 Prozent nehmen an einer Fördermaßnahme (z.B. eine berufsvorbereitende Bildungsmaßnahme oder eine Einstiegsqualifizierung) teil und 5,0 Prozent haben eine Arbeit aufgenommen. Bei knapp 12 Prozent der Bewerber gab es am 30.9.15 keine Information über deren Verbleib, da diese trotz wiederholter Rückfragen seitens der Arbeitsagentur nicht mitgeteilt haben, wie es bei ihnen beruflich weitergeht.  

Andreas Vaerst interpretiert die Entwicklung: “Wir haben in unserer Region mit gut der Hälfte einen und Bundesschnitt liegenden Anteil an Bewerbern, die in eine Ausbildung einmünden (bundesweit 51 Prozent). Daneben beobachte ich aber auch folgende Trends: der Anteil der Ausbildungsbewerber, die sich dann doch für eine Schule oder ein Studium entscheiden, liegt seit Jahren bei knapp einem Viertel der Bewerber. Der Trend zu höheren Schulabschlüssen hält also nach wie vor an. Bedauerlich finde ich die Zunahme bei den jungen Leuten, die sich ohne Ausbildung gleich für eine Erwerbstätigkeit entscheiden, auf 5,0 Prozent. Für diese 58 Ausbildungsbewerber scheinen der derzeit gute Arbeitsmarkt und das schnelle Geld so verlockend, dass sie dafür auf eine abgeschlossene Ausbildung verzichten. Ohne beruflichen Abschluss droht ihnen in konjunkturell schwächeren Zeiten aber als ersten die Entlassung und damit die Arbeitslosigkeit.“  

 

Vermittlungsaktivitäten laufen weiter

8 unversorgten Bewerbern im Landkreis Neu-Ulm standen am Ende des Beratungsjahres noch 144 unbesetzte Stellen gegenüber. „Die Bilanz der Daten zur Ausbildungsvermittlung am 30.09. ist eine genaue Betrachtung an einem Stichtag, aber nicht das Ende der Vermittlungsaktivitäten. Bei den Berufsberaterinnen und Berufsberater melden sich auch jetzt noch Jugendliche, die z. B. keinen Studienplatz erhalten haben oder eine weiterführende Schule abbrechen und nun doch eine duale Berufsausbildung anstreben“, zeigt Andreas Vaerst Perspektiven auf.
Die bisherigen Erfahrungen sprechen dafür, dass im so genannten „fünften Quartal“ von Oktober bis Dezember noch einige der derzeit unbesetzten Stellen mit Auszubildenden besetzt werden können und im Gegenzug bislang unvermittelte Bewerber einen Ausbildungsplatz oder eine Alternative finden.
Deshalb zum Abschluss noch ein Appell von Andreas Vaerst an die heimischen Personalbüros: „Wenn Sie noch dringend einen Auszubildenden suchen, dann geben Sie auch schwächeren Bewerbern eine Chance. Mit ausbildungsbegleitenden Hilfen oder unserem neuen Projekt ‚Assistierte Ausbildung können auch schwächere Auszubildende einen beruflichen Abschluss erlangen.“ Und auf der anderen Seite der Aufruf von Andreas Vaerst an alle Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die bisher noch keinen Berufsabschluss haben: „Die Chance auf eine Lehrstelle war nie größer als zur Zeit. Und ein Berufsabschluss ist entscheidend für einen zukunftssicheren Arbeitsplatz.“