21.05.2015

Regionale Konjunktur gewinnt an Fahrt

Für die regionale Wirtschaft geht es weiter bergauf, wie der Konjunkturbericht der IHK Ulm zum Frühjahr 2015 zeigt. Ein niedriger Ölpreis, ein schwacher Euro-Wechselkurs und der starke private Konsum treiben die Konjunktur an. Der Optimismus wächst. Auch das Investitionsklima hellt sich wieder etwas auf. Unsicherheitsfaktor bleibt das politische Umfeld.

Die Stimmung in der regionalen Wirtschaft steigt an. Der IHK-Konjunkturklimaindex, ein Maß für die Lageurteile und die Erwartungen, legt nach dem Anstieg zu Jahresbeginn noch einmal deutlich zu (+ 7 Punkte) und steht nun bei 131 Zählern. „Der Frühling hat somit auch Einzug in die Unternehmen erhalten“, sagt IHK-Präsident Dr. Peter Kulitz.

 

Rund die Hälfte der Unternehmen vermeldet gegenwärtig eine gute Geschäftslage. Bei weiteren 41 Prozent laufen die Geschäfte zumindest befriedigend. Umsätze und Ertragslage entwickeln sich positiv.

 

Stütze dieser Konjunkturbelebung ist weiter der private Konsum. Dieser wird von einer guten Arbeitsmarktlage, geringen Zinsen und Leistungsausweitungen bei der Rente angeregt. Zudem stärkt der derzeit niedrige Ölpreis die Verbraucher. Gleiches gilt auch für die Betriebe. Diese profitieren zudem von einem anziehenden Auslandsgeschäft. Hierbei verschafft natürlich auch der schwache Euro Vorteile auf dem Weltmarkt.

 

In diesem konjunkturellen Umfeld ziehen die Auftragseingänge deutlich an. Die Erwartungen an die kommenden zwölf Monate werden daher nach oben geschraubt. Knapp jede dritte Firma geht nun von besser laufenden Geschäften aus. Das Gros der Betriebe sieht zudem eine Wirtschaftsentwicklung ähnlich dem erreichten guten Niveau. Der Aufschwung setzt sich somit fort und gewinnt an Fahrt.

 

Dieser optimistische Ausblick und die nach wie vor günstigen Finanzierungsbedingungen sorgen auch wieder für eine zunehmende Investitionsbereitschaft. Dieser hatte es zuletzt merklich an Schwung gefehlt. Während dabei das Investitionsmotiv der Rationalisierung an Bedeutung verliert, werden Kapazitätserweiterungen verstärkt angestrebt. Insofern bestätigt auch diese Entwicklung einen expansiven Pfad der konjunkturellen Entwicklung.

 

Ähnlich verhält es sich mit dem regionalen Arbeitsmarkt. Dieser steht nach wie vor in einem sehr günstigen Licht. Seit Jahresbeginn ging die Zahl der Arbeitslosen um über 800 Personen zurück. Die April-Arbeitslosenquote erreicht mit 3,1 Prozent nahezu Vollbeschäftigungsniveau. Und nach den Personalplänen der Unternehmen soll der hohe Beschäftigungsstand mindestens gehalten werden. Die Kehrseite der hervorragenden Arbeitsmarktlage ist jedoch ein ausgeprägter Fachkräftemangel.  Gegenwärtig wird hierin von fast jedem zweiten Betrieb ein Risikofaktor für die weitere Entwicklung gesehen. Darüber hinaus benennt eine wachsende Zahl an Unternehmen die Arbeitskosten als Gefahr. Insbesondere für kleinere Betriebe.

 

Unsicherheitsfaktor bleibt zudem die Politik. Dies gilt sowohl im Hinblick auf die vielen geopolitischen Krisenherde als auch auf die nationale Wirtschaftspolitik. “Zuletzt wurde dort immer wieder weit über das Ziel hinaus geschossen”, resümiert Kulitz. So habe man beim Mindestlohn ein bürokratisches Ungetüm geschaffen, das die Unternehmen weit über Gebühr belaste und zudem an einigen Stellen für Rechtsunsicherheit sorge. “Bei der Erbschaftssteuer droht nun ein ähnliches Fiasko. Statt den Firmen immer wieder neue Steine in den Weg zu legen, sollte die Politik klare und investitionsfreundliche Entscheidungen treffen“, so Kulitz weiter.

 

Industrie: Auftragseingänge ziehen an
In der Industrie geht es weiter aufwärts. Eine positive Umsatzentwicklung und eine ordentliche Kapazitätsauslastung steigern die Zufriedenheit mit der aktuellen Lage. Neun von zehn Produzenten geht es gegenwärtig gut oder befriedigend. Und da sich die Auftragsbücher merklich füllen, werden die Perspektiven für die kommenden Monate noch einmal besser eingeschätzt als zu Jahresbeginn. Vor allem die zusätzlichen Exportchancen lassen die Industrie zuversichtlich nach vorne schauen. Wesentliche Impulsgeber sind dabei die Märkte in Nordamerika und Asien. Aber auch im Euroraum werden zusätzliche Absatzmöglichkeiten gesehen. Die Investitionsbereitschaft steigt. Bei den Personalplänen macht sich hingegen etwas Zurückhaltung breit.

 

Besonders gut geht es derzeit den Investitions- und Vorleistungsgüterproduzenten. Nicht ganz so rund läuft es hingegen in der Konsumgüterindustrie. Dennoch fallen auch hier die Lageurteile besser als vor vier Monaten aus. Ähnlich verhält es sich mit den Aussichten. Die Ge- und Verbrauchsgüterproduzenten blicken vorsichtig auf die kommenden zwölf Monate. In den anderen beiden Segmenten werden angesichts deutlich verbesserter Absatzperspektiven im In- und Ausland auch die Geschäftserwartungen spürbar nach oben geschraubt. Der Zuwachs bei den Vorleistern als Frühzykliker verfestigt dabei einmal mehr das für einen klassischen Aufschwung typische Bild.

 

Einzel- und Großhandel in guter Verfassung
Der Einzelhandel profitiert von einer überdurchschnittlichen Kauflust der Kunden. Die geringe Teuerung und die hervorragende Lage auf dem Arbeitsmarkt verbreiten gute Laune bei den Verbrauchern. Zusätzlich befeuert wird diese Ausgabenfreude zudem durch die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank. Denn hierdurch ist es unattraktiver geworden, Geld auf die Seite zu legen. Gut einem Drittel der Einzelhändler geht es derzeit gut. Weiteren 44 Prozent zumindest befriedigend. Und die Einzelhändler erwarten ein Anhalten dieses Trends. So werden für die kommenden zwölf Monate spürbare Umsatzsteigerungen erwartet. Die Aussichten sind daher deutlich mehr von Optimismus geprägt als noch zu Jahresbeginn. Das Personal soll allerdings nicht weiter aufgestockt werden. Auch die Investitionsbereitschaft bleibt zurückhaltend. Wenn investiert wird, dann mehr und mehr in Vertriebsinnovationen.

 

Der Großhandel bewegt sich weiter auf beachtlichem Niveau. Vor allem der Auslandsumsatz legt kräftig zu. Aber auch im Inland entwickeln sich die Umsätze positiv. Die Folge sind eine verbesserte Ertragslage und ein Anstieg der Lageurteile. Dies gilt insbesondere für die konsumnahen Großhändler. Im produktionsverbindenden Großhandel bleiben die Werte des Vortertials hingegen konstant - allerdings auf sehr hohem Niveau. Zudem zeigt gerade hier der Trend bei den eingehenden  Bestellungen steil nach oben. Insofern sind es die produktionsnahen Großhändler, die für deutlich höhere Umsatz- und Geschäftserwartungen in der Branche sorgen. Beschäftigungs- und Investitionspläne bleiben in beiden Segmenten aufwärtsgerichtet.

 

Dienstleister: Weiter auf Touren
In der Dienstleistungsbranche geben die Lageurteile etwas nach. Dennoch geht es über der Hälfte an Firmen gut. Die Dienstleistungskonjunktur läuft somit nach wie vor mit hoher Drehzahl. Das Tempo dürfte sich zudem noch erhöhen. Denn der Blick auf die kommenden Monate wird zunehmend optimistischer. So werden auf Basis der derzeitigen Tendenz beim Auftragsvolumen steigende Umsatzzahlen erwartet. Die Investitionsbereitschaft der Serviceunternehmen nimmt weiter zu. Größtes Problem bleibt der Fachkräftemangel, zumal nach wie vor Personal aufgebaut werden soll.

 

Innerhalb der einzelnen Servicesparten stehen vor allem die unternehmensnahen Dienstleister und das Verkehrsgewerbe gut da. Die Beförderungskapazitäten der Verkehrsunternehmen sind gut ausgelastet und beide Sparten verspüren eine positive Nachfragetendenz. Die allgemeine konjunkturelle Belebung schlägt sich somit unmittelbar in diesen Servicesparten nieder. Zudem wird das Verkehrsgewerbe natürlich auch durch die gegenwärtig relativ moderaten Spritpreise begünstigt.

 

Auch im Kreditgewerbe sowie bei Hoteliers und Gastronomen überwiegen weiter die positiven Urteile. Allerdings ist ein merklicher Stimmungsabfall auszumachen. Die niedrigen Zinsen halten bei den Kreditinstituten die Gewinnmargen klein. Zudem lässt die Kreditnachfrage von Firmenkunden weiter zu wünschen übrig. Gleiches gilt für Hotel- und Gaststättengewerbe hinsichtlich der Umsätze in Beherbergung und Restauration. Zudem belasten dort gestiegene Arbeitskosten und ein zunehmender Fachkräftemangel.

 

Info:

Der IHK-Konjunkturklimaindex spiegelt das Ergebnis der IHKKonjunkturumfrage in einem Wert wider. Er ist ein Frühindikator für die konjunkturelle Entwicklung. Entscheidend für die Interpretation der konjunkturellen Entwicklung im Zeitablauf ist die Veränderung des Index’. Nimmt er zu, wird sich die Konjunktur tendenziell positiv entwickeln, nimmt er ab, verschlechtert sich hingegen tendenziell
die wirtschaftliche Entwicklung.

 

IHK-Saldenindikatoren werden als Saldo der positiven und negativen Antworten zu den jeweiligen Fragen ermittelt und können demnach zwischen -100 und +100 Prozentpunkten liegen. Ein Indikator von Null zeigt an, dass sich die positiven und negativen Antworten genau die Waage halten.

 

Zum Ausweis der Arbeitslosenquote wird im Konjunkturbericht der IHK Ulm auf die Daten der Bundesagentur für Arbeit zurückgegriffen. Die zugrunde liegende Berechnungsmethodik beruht auf dem
Verhältnis der Arbeitslosen zu allen zivilen Erwerbspersonen.

 

Der Konjunkturbericht der IHK Ulm erscheint tertialweise. Der aktuelle Bericht basiert auf der Umfrage zum 1. Tertial 2015. Von über 30.000 Mitgliedern der IHK Ulm wurde ein repräsentativer Ausschnitt von 447 Unternehmen befragt, von denen sich 181 (41 Prozent) an der Umfrage beteiligten.