22.03.2016

Ulm geht ins autonome Rennen

Autonomes und vernetztes Fahren gilt als wichtiges Zukunftsthema, vor allem für Deutschland mit seiner starken Autoindustrie. Ulm will dafür ein Testfeld aufbauen, sogar unter Einbeziehung der Autobahn A 8.

Wenn das Auto autonom fährt, kann der Fahrer nebenher Zeitung lesen. Auf dem Ulmer Testfeld soll es deswegen nicht zum Verkehrschaos kommen. (Text: SWP, Bild: Volvo)

In Ulm und um Ulm entsteht womöglich ein Testfeld für autonomes Fahren, für das im Stadtparlament und bei der IHK nun weitere Weichen gestellt wurden. Beide Partner wollen über einen Zeitraum von fünf Jahren – Start wäre 2017 – je insgesamt 500.000 Euro bereitstellen, um so eine Betreibergesellschaft für das Zukunftsprojekt zu finanzieren. Die Federführung liegt bei der Uni Ulm, die sich bei der Landesregierung um den Zuschlag bewirbt.

Seitens des Instituts für Mess-, Regel- und Mikrotechnik nannte nun Prof. Klaus Dietmayer das Testfeld autonomes Fahren im Hauptausschuss des Ulmer Gemeinderats ein „Leuchtturm-Thema“. Dietmayer präsentierte eine Reihe spannender Details. Die Teststrecke, die vom Netzwerkausrüster Nokia mit modernster Funktechnik ausgestattet wird, verläuft in drei Abschnitten: auf der Autobahn A 8, vor allem zwischen Ulm-West und -Ost, aber voraussichtlich auch bis Merklingen; weiter auf „Zubringern“ wie B 10 und B 19, sodann in Innenstadt und Wissenschaftsstadt. Als besondere Herausforderung für die selbstständig fahrenden Autos wurde der Blaubeurer Kreisel mit aufgenommen, der nach Dietmayers Worten für jeden normalen Autofahrer schon eine Herausforderung darstellt. Außerdem kommt der so genannte Shared Space am Rathaus, an dem sich Fußgänger und Autofahrer verständigen müssen, mit hinein

Auf der Strecke sollen täglich zwei bis drei autonome Autos unterwegs sein. Dietmayer: „Wir wollen kein zusätzliches Verkehrschaos“. In diesem Kontext wies OB Gunter Czisch darauf hin, dass weiterhin ein Fahrer hinter dem Steuer sitzt, der jederzeit eingreifen könnte, falls etwas schiefgeht. Auch mindestens ein Parkhaus soll hinzugefügt werden, geplant ist zudem eine Einbindung des öffentlichen Nahverkehrs.

Ein wesentliches Kriterium des Projekts ist der offene Zugang zum Testfeld für alle interessierten – auch kleineren – Firmen und Forschungseinrichtungen. Sie können auf diese Weise Technologien für das Zukunftsthema autonomes Fahren entwickeln. So können aus Sicht der IHK neue Arbeitsplätze entstehen. Im Ausschuss nannte CDU-Fraktionschef Thomas Kienle das Testfeld einen „Booster“, also Verstärker für den Wirtschaftsstandort.

Die IHK berichtete, in der Nachfolge des aufgelösten Nokia-Forschungszentrums sei mit den Car-IT-Abteilungen von Audi, BMW und Conti, mit Car2go-Entwickler Daimler TSS und Nokia Networks bereits ein Mini-Cluster unter dem Titel „Auto-Mobil-IT“ entstanden.

Das Land fördert den Gewinner des Wettbewerbs in einer Grundfinanzierung mit 2,5 Millionen Euro für den Aufbau der Infrastruktur. Czisch sagte, man stehe in Verhandlungen mit lokalen Unternehmen, die die erforderliche Co-Finanzierung von zehn Prozent beisteuern.

Nokia Networks werde voraussichtlich auf eigene Rechnung die Funk-Infrastruktur einbringen. Die mitwirkenden Unternehmen erhalten einen Sitz im Beirat der Betreibergesellschaft, die die Funktionalität des Testfelds sicherstellt. Dafür sollen nach Dietmayers Worten auch zentimeter-genaue digitale Karten als Basis für die Navigation autonomer Autos erstellt werden.

Grünen-Stadträtin Birgit Schäfer-Oelmayer sagte, Ulm habe wegen des A-Drive-Centers gute Aussichten für den Zuschlag. Bei dem Projekt müsse es auch um Standards für den Datenschutz gehen.