16.08.2016

Ulmer Smart Grid-Projekt weckt Interesse in Fernost

Die Herausforderungen erneuerbarer Energien intelligent meistern: Für dieses gemeinsame Ziel empfingen Forscher der Hochschule Ulm und die Kooperationspartner der SWU eine chinesische Delegation auf dem Smart Grid-Testgelände in Senden-Hittistetten.

Vertreter der Hochschule Ulm und der Stadtwerke Ulm zeigen den chinesischen Innovationspark-Entwicklern Zhizhong Diao und Ge Jing das Smart Grid-Testgelände in Senden-Hittistetten. Foto: SWU

Die Ulmer Projektpartner stellten ihre Forschungsarbeit vor Ort vor und veranschaulichten die Umsetzung von neuen Entwicklungen und Lösungsansätzen im Bereich der intelligenten Stromnetze (Smart Grids). Die Einladung zu diesem Besuch erfolgte bei einer Ministerreise im Rahmen der Energiewende-Ausstellung in Peking. Besonders interessiert war der Besuch aus China an der Umsetzung von großflächigen Smart Grids, die im Reallabor in Senden-Hittistetten sehr gut erklärt und demonstriert werden konnte. „Hittistetten hat sich deshalb für den Besuch angeboten, da hier in der Jahresbilanz mehr Energie durch Photovoltaik-Anlagen erzeugt wird als verbraucht wird“, sagt Falko Ebe, akademischer Mitarbeiter im Institut für Energie-und Antriebstechnik der Hochschule Ulm.

 

Die Hauptaufgabe intelligenter Stromnetze besteht darin, die Energie möglichst effizient zu verteilen, damit die Balance zwischen Einspeisung und Verbrauch bestehen bleibt. Notwendig wird dieses neue Nutzungskonzept durch die Veränderungen von Erzeugungs- und Verbrauchsstrukturen – zum Beispiel  durch den verstärkten Einsatz erneuerbarer Energien, vor allem von Photovoltaik-Anlagen oder auch E-Mobilität. Aus der starken Abhängigkeit von Umweltfaktoren, vor allem der Sonneneinstrahlung, resultiert eine variable Stromerzeugung. SmartGrids helfen dabei, diese Variabilitäten  auszugleichen und Beeinträchtigungen bei der Netznutzung zu vermeiden. Somit stellen sie nicht nur in Ulm und Umgebung die Zukunft des modernen Energietransports dar.

 

Mit den neuen Erkenntnissen im Gepäck soll nördlich von Peking ein „Ecological Aggregation Innovative Park“ entstehen, in dem sich Firmen aus der Umwelt-Technologie ansiedeln werden. Das Technologiezentrum namens K20 soll – mit dem Fokus auf Nachhaltigkeitsforschung – ähnlich dem Ulmer Science Park aufgebaut werden. Besichtigt wurde neben dem Testgelände auch noch die Ortsnetzstation, die sowohl mit einer Wetterstation als auch mit umfangreicher Leistungsmesstechnik ausgestattet ist.

 

„Dass sich die chinesischen Innovationspark-Entwickler ganz speziell für unsere Arbeit interessieren, zeigt das hohe Niveau auf dem sich unsere Forschung momentan befindet“, sagt Konstantin Ditz – ebenfalls akademischer Mitarbeiter in der Energie- und Antriebstechnik – der das Konzept der Führung vorbereitet hatte.

 

Das Smart Grid-Projekt wurde vor einigen Jahren von der Hochschule Ulm und den Stadtwerken Ulm/Neu- Ulm ins Leben gerufen. Ziel des Projekts ist es, Technologien und Lösungsansätze für die Weiterentwicklung von konventionellen zu intelligenten Netzen zu schaffen, um den Herausforderungen der Energiewende mit zukunftsfähigen Methoden der Energiegewinnung angemessen zu begegnen. Als Forschungsgrundlage dienen hier zwei Testgebiete in Ulm-Einsingen und Senden- Hittistetten.

 

„Das Ziel dieser Forschungsarbeiten ist die Auswahl geeigneter Maßnahmen für einen kostengünstigen Umbau des Verteilnetzes zu einem intelligenten Netz, welches hohe Anteile von Solareinspeisungen aufnehmen kann“, erläutert Prof. Gerd Heilscher, Leiter des Smart Grid-Forschungsteams an der Hochschule Ulm. Im ländlich geprägten Testgebiet Hittistetten wird beispielsweiße der Jahresstrombedarf bereits vollständig mit Strom aus Photovoltaik Anlagen gedeckt. Im städtischen Einsingen liegt diese Quote immerhin bei rund einem Viertel. Die beiden Projekte sind Teil der Route BW, auf der mehrere Vorhaben dieser Art verbunden wurden und dienen als Leuchtturm für zukunftsorientierte Energieprojekte in Baden-Württemberg.