31.08.2017

Gesamtnote "Gut" für die Region

Die neueste IHK-Umfrage zur Standortzufriedenheit in Zusammenarbeit mit dem EWAS-Institut bestätigt enge Verbundenheit der Unternehmen mit der Region. Während weiche Standortfaktoren das Plus der Region sind, werden von den Betrieben die Verfügbarkeit von beruflich qualifizierten Fachkräften, die Breitbandversorgung sowie die Verfügbarkeit von Wohnraum als wichtigste Handlungsfelder genannt.

Standortumfrage IHK Ulm 2017 – Vergleich „Wichtigkeit“ und „Zufriedenheit“ der Standortfaktoren. Grafik: IHK Ulm

Ein Ergebnis vorneweg: Die Unternehmen in der IHK-Region Ulm bewerten wie schon 2012 den Wirtschaftsstandort auf der Skala von 1-6 mit einer ausgezeichneten Note von 2,0. Dies geht aus der aktuellsten Umfrage unter den IHK-Mitgliedsunternehmen hervor. Gestützt wird diese Zufriedenheit und Verbundenheit mit dem Standort zum einen dadurch, dass nahezu jeder dritte Betrieb (30 Prozent) in den vergangenen drei Jahren vor Ort flächenmäßig expandierte. Fast ebenso viele beabsichtigen, sich hier in den kommenden drei Jahren flächenmäßig erweitern zu wollen. Auch würden 82 Prozent der Betriebe den Wirtschaftsstandort anderen Unternehmen bei Ansiedlungsüberlegungen empfehlen. Bei dieser neu gestellten Frage schneidet die IHK-Region Ulm besser ab als die Nachbarregionen Bodensee-Oberschwaben (73 Prozent) und Reutlingen (75 Prozent).

„Die Gesamtnote „Gut“ und die im Regionenvergleich bessere Bewertung ist aber wie bei den letzten Umfragen kein Anlass, untätig zu werden. Denn die Umfrage zeigt neben Stärken der Region auch klare Handlungsfelder“, so IHK-Hauptgeschäftsführer Otto Sälzle. Daher legt die IHK besonderes Augenmerk bei der Auswertung der Umfrage auf die Standortfaktoren, die bei den Mitgliedsunternehmen eine hohe Priorität („Wichtigkeit“) haben und bei denen gleichzeitig eine große Zufriedenheit (Stärke) oder Unzufriedenheit (Schwäche bzw. Handlungsfeld) besteht.

Fachkräfte, Breitband, Wohnraum, wirtschaftsfreundliche Verwaltung
und Kosten für Gewerbeimmobilien als Schwäche

Als größte Schwäche und wichtigstes Handlungsfeld wird der Mangel an beruflich qualifizierten Fachkräften genannt. „Seit Jahren weisen wir auf die besorgniserregende Entwicklung hin. Was wir über unseren Fachkräftemonitor und die Konjunkturumfragen zur Fachkräfteproblematik wissen, spiegelt sich nun deutlich in der Umfrage wieder. Daher ist das Ergebnis für uns nicht überraschend“, kommentiert Sälzle das Ergebnis und ergänzt: „Sorge bereitet unseren Unternehmen der Mangel an beruflich ausgebildeten Fachkräften und nicht an Akademikern. Politik und Wirtschaft müssen weiter gemeinsam an verschiedenen Stellschrauben drehen, um die duale Ausbildung zu stärken und Weiterbildung zu intensivieren.“ Dies zeigt sich auch im Vergleich zu 2012, da die Bedeutung akademisch Qualifizierter für die Betriebe deutlich zurückgegangen ist: in der aktuellen Umfrage befindet sich dieser Standortfaktor nur noch auf dem viertletzten Rang der wichtigsten Faktoren für die Firmen. Nach dem IHK-Fachkräftemonitor fehlen in der IHK-Region Ulm zwischen 2017 und 2030 jährlich mehr als 14 000 Fachkräfte, darunter zu 90 Prozent beruflich qualifizierte, nicht akademische Fachkräfte.

Die weiteren größten Handlungsfelder liegen bei der Breitbandversorgung (Platz 2), bei der Verfügbarkeit von Wohnraum (Platz 3), bei einer wirtschaftsfreundlichen Verwaltung (Platz 4) sowie bei den Kosten für Gewerbeimmobilien (Platz 5). Im kommunalen Vergleich weisen einige Standortfaktoren erhebliche Unterschiede auf. So hängt die Zufriedenheit mit der Breitbandanbindung meist davon ab, wie weit vor Ort der Breitbandausbau vorangeschritten und dabei auch die jeweiligen Gewerbegebiete angebunden sind. „In Zeiten von Industrie 4.0 und der Digitalisierung in fast allen Lebenslagen sind unsere Unternehmen auf zukunftsfähige Breitbandanschlüsse angewiesen. In der Region gibt es zahlreiche Initiativen auf Kreis- und kommunaler Ebene, die wir sehr begrüßen. Ziel muss dabei sein, unterversorgte Gebiete so schnell wie möglich an den Datenhighway anzubinden. Breitband gehört zur Basisinfrastruktur des 21. Jahrhunderts“, so Sälzle. Erst Breitbandnetze schaffen die Voraussetzungen für das Entstehen und die Ansiedlung von Unternehmen der Digitalwirtschaft sowie für eine Vielzahl sinnvoller Entwicklungen.#

Gleiches gilt auch für die Attraktivität als Wohnort. Gegenüber 2012 hat sich der Standortfaktor Verfügbarkeit von Wohnraum am deutlichsten verschlechtert. „Der Mangel an geeignetem Wohnraum ist ein ernst zu nehmendes Problem geworden. Fachkräfte lassen sich nur gewinnen und halten, wenn geeigneter bzw. bezahlbarer Wohnraum zur Verfügung steht. Nachverdichtung spielt dabei sicher eine Rolle, ist aber nicht überall möglich. Deshalb kann das Problem nur durch neue Baugebiete gelöst werden“, warnt Sälzle. Die IHK hat auf diese Entwicklung mit ihrer Untersuchung „Entwicklung des Wohnungsbedarfs in der IHK-Region Ulm bis 2030“ bereits 2012 hingewiesen.

Die Zufriedenheit mit dem Standortfaktor Gewerbeflächen ist bei den Unternehmen im Vergleich zu 2012 ebenfalls deutlich zurückgegangen. „Dies ist ein deutliches Signal an die Kommunen und Genehmigungsbehörden, hier verstärkt aktiv zu werden“, fordert Sälzle. Während bei kostenbezogenen Standortfaktoren wie den Kommunalabgaben und der Gewerbesteuer das Urteil über alle Kommunen hinweg recht einhellig kritisch ist, bestehen bei anderen Standortfaktoren erhebliche Unterschiede. So zeigen sich zum Beispiel Unternehmen mit der Anbindung an das überregionale Straßennetz verständlicherweise umso zufriedener, je näher ihr Standort an einer Autobahn oder vierspurigen Bundesstraße liegt. „Wir sehen bei diesem Thema weiter einen klaren Arbeitsauftrag für die Landesregierung, den ländlichen Raum nicht zu vernachlässigen. Das Land muss für die notwendigen Planungskapazitäten in den Straßenbauverwaltungen sorgen. Nur dann können Projekte wie die Ortsumfahrungen der B 312, B 10 oder B 311 auch zügig geplant und umgesetzt werden“, so Sälzle.

Während diesbezüglich der Handlungsspielraum der einzelnen Kommune eher begrenzt ist, bestehen bei anderen Themenfeldern, wie bei den Punkten wirtschaftsfreundliche Verwaltung oder dem örtlichen Angebot zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie durchaus Einflussmöglichkeit. „Bei diesen Standortfaktoren ist durchaus noch Luft für Verbesserungen“, so Sälzle weiter.

Weiche Standortfaktoren als Plus der Region

Für die Firmenlenker sind die Stärken vor Ort das Image der Region, die medizinische Versorgung, die Einkaufsmöglichkeiten sowie die Allgemeine Sicherheit. Als größte Stärke sehen die Betriebe die Versorgungssicherheit mit Strom. Dieses Ergebnis ist für die IHK etwas überraschend, da Hinweise über Netzschwankungen und Stromunterbrechungen von Unternehmen mit einer höheren Empfindlichkeit industrieller Prozesse zugenommen haben. „Für viele Firmen ist die sichere Stromversorgung ein entscheidender Standortfaktor. Gerade im internationalen Vergleich sind wir sicher weiter vorbildlich. Damit dies so bleibt, sind große Anstrengungen notwendig, die Energiewende erfolgreich umzusetzen. Dazu zählt ein zügiger Netzausbau sowie bei einer immer höheren Einspeisung volatiler Energieträger ausgereifte Konzepte, um unter anderem die notwendige Grundlast im Netz bereitzustellen, ohne dabei die Strompreise weiter zu erhöhen“, so Sälzle. So bestätigt die Umfrage, dass die Höhe der Strompreise den Unternehmen weiter Sorge bereitet. Vor Ort bestehen dabei jedoch nur geringe Einflussmöglichkeiten.

Der IHK Ulm ist es wichtig, in regelmäßigen Abständen zu erfahren, wie die Mitgliedsunternehmen konkret über einzelne Standortfaktoren denken. Damit wird eine Lücke zu amtlichen Statistiken oder Rankings geschlossen, die meist nur bis zur Kreisebene reichen. Für eine Verbesserung von Standortfaktoren ist in den meisten Fällen aber die kommunale Ebene die richtige Adresse. Dafür liegen für elf Kommunen repräsentative Ergebnisse vor: Biberach, Blaubeuren, Blaustein, Ehingen, Erbach, Laichingen, Langenau, Laupheim, Ochsenhausen, Riedlingen und Ulm. Im Laufe des Jahres sollen die Umfrageergebnisse in einer gemeinsamen Veranstaltung vor Ort mit Bürgermeistern, Gemeinderäten und Unternehmensvertretern diskutiert werden. Dieser Dialog war schon in den letzten Umfragen bei der Vorstellung der Ergebnisse sehr konstruktiv.

 

Die IHK-Umfrage zur Standortzufriedenheit fand im 1. Quartal 2017 statt und wurde mit Unterstützung des EWAS-Instituts (Hannover) durchgeführt. Durch die zeitgleiche Befragung der IHK Bodensee-Oberschwaben und IHK Reutlingen liegen rund 6 000 Unternehmensantworten für den Regierungsbezirk Tübingen vor. Dadurch lassen sich aufschlussreiche Vergleiche ziehen, sowohl zu den vorherigen Umfragen als auch zu den Nachbarregionen und anderen Kommunen. In der IHK-Region Ulm wurden 11 258 Be-triebe angeschrieben, davon haben 1 647 geantwortet (Rücklaufquote 15 Prozent). Im ganzen Regierungsbezirk Tübingen lag die Rücklaufquote bei 18 Prozent. Die Firmen konnten zu 27 Standortfaktoren aus den Bereichen Infrastruktur und Verkehr, Fachkräfte und Bildung sowie Standortattraktivität und Kosten antworten, wie wichtig ihnen das Thema ist und wie zufrieden sie damit sind. Wegen des hohen Rücklaufs und der zeitgleichen Befragung in den Nachbarregionen liegen repräsentative Ergebnisse für die neun Stadt- und Landkreise sowie insgesamt 41 Kommunen im Regierungsbezirk Tübingen vor.