15.05.2019

73 Millionen Euro für Forschungsbau

An der Universität Ulm entsteht ein einzigartiger Forschungsbau für „Multidimensionale Trauma-Wissenschaften" (MTW). Das fast 5000 m2 große Gebäude soll passgenau auf die Bedürfnisse der Forschenden aus Medizin und Naturwissenschaften zugeschnitten werden. Ab voraussichtlich 2024 beherbergt der Neubau unter anderem hochspezialisierte biomedizinische Labore, eine Biobank für Blut- und Gewebeproben aus aller Welt sowie ein klinisches Studienzentrum. Das insgesamt über 73 Millionen Euro teure Gebäude wird aus Bundesmitteln, vom Land Baden-Württemberg sowie von der Medizinischen Fakultät der Universität Ulm finanziert. Der Ausschuss Forschungsbauten des Wissenschaftsrats bezeichnete den Ulmer Antrag als „herausragend": Nie gingen in diesem Förderverfahren mehr Bundesmittel nach Baden-Württemberg.

Ansicht des künftigen MTW-Gebäudes (Abbildung: Heinle, Wischer und Partner, Freie Architekten)

„Am Universitätsstandort Ulm werden physische und psychische Traumata seit vielen Jahren auf höchstem Niveau erforscht und versorgt. Das große Engagement der beteiligten Ulmer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erfährt mit dem nun bewilligten Forschungsbau eine nachhaltige Würdigung. Die Entscheidung des Wissenschaftsrates ist eine hervorragende Auszeichnung für die Universität und das Universitätsklinikum. Ulm wird damit weltweit in der Traumaforschung eine noch stärkere Ausstrahlung erlangen", sagt die baden-württembergische Wissenschaftsministerin Theresia Bauer.

Zusammenarbeit verschiedener Disziplinen in der Traumaforschung
Ein Unfall kann Menschen jeden Alters aus dem Leben reißen. Solche schweren Verletzungen lösen im Körper eine komplexe Reaktionskette aus, die alle Organsysteme betrifft. Ziel dieser körpereigenen „Gefahrenantwort" ist die Heilung und Regeneration. Doch Störungen im Ablauf können fatale Folgen haben – von psychischen Erkrankungen bis zum Organversagen. Bisher ist das Verständnis der vielschichtigen Gefahrenantwort und Regeneration nach Trauma beschränkt, und somit fehlen wichtige Grundlagen für individuelle, auf das jeweilige Verletzungsmuster abgestimmte Therapien. Das neue MTW-Gebäude soll einen entscheidenden Beitrag zur Schließung dieser Forschungslücken leisten. „Bisher ist weltweit oft nur monodisziplinär zu schweren Verletzungen, wie sie bei Unfällen oder Terroranschlägen entstehen, geforscht worden. Ulmer Alleinstellungsmerkmal und Erfolgsrezept ist jedoch die Zusammenarbeit verschiedener Disziplinen in der Traumaforschung und die enge Kooperation mit dem Bundeswehrkrankenhaus. Das MTW-Gebäude soll interdisziplinäre Forschungsvorhaben bündeln und zu einem noch regeren Austausch beitragen – auch dank der integrierten Kommunikationsflächen", erklärt Professor Thomas Wirth, Dekan der Medizinischen Fakultät und Präsident der Deutschen Traumastiftung.

Die Ulmer Traumaforschung ist international sichtbar und zählt zu den strategischen Entwicklungsbereichen der Universität. Wichtige Vorarbeiten sind bereits in klinischen Forschergruppen und im Trauma-Sonderforschungsbereich 1149 entstanden, die Teil der Kooperationsplattform „Zentrum für Traumaforschung" (ZTF) sind. Dazu kommen gemeinsame Projekte der Universitätsmedizin mit dem Bundeswehrkrankenhaus Ulm. In der Traumaforschung profitieren die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler von der ausgewiesenen psychiatrischen und psychologischen Kompetenz am Standort. Weitere Überschneidungen bestehen mit Verbundprojekten aus den Bereichen Peptid- und Tumorforschung sowie mit der Alternsforschung.

Weitere Informationen