03.01.2019

„Ganz großes Kino“ in bilderarmer Zeit

2019 jährt sich zum 300. Mal der Geburtstag des berühmten Weißenhorner Barockmalers Franz Martin Kuen (1719 – 1771). Im Landkreis Neu-Ulm, wo er die meisten Fresken hinterlassen hat, wird sich aus diesem Anlass ein umfangreiches Programm mit der Barockmalerei und einem ihrer renommiertesten Vertre-ter in Süddeutschland beschäftigen. Als Begleitlektüre hat der Landkreis jetzt einen handlichen, 76-seitigen Kunstführer herausgegeben.

Im Bild (von links) bei der Präsentation: Walter Wörtz (Kulturreferent des Landkreises Neu-Ulm), Pater Roman Löschinger (Direktor des Bildungszentrums Kloster Roggenburg), Landrat Thorsten Freudenberger, Kunsthistoriker Dr. Matthias Kunze (Autor des Kunstführers), Brigitte Müller (Katholische Erwachsenen-Bildung Neu-Ulm) und Norbert Riggenmann (Designer der Broschüre). Foto: Jürgen Bigelmayr (Landratsamt Neu-Ulm)

Das informative und optisch sehr ansprechende Büchlein "F. M. Kuen (1719 - 2019) erfahren - Ein Ausflug in die Welt barocker Deckenbilder" ist ab sofort im Landratsamt Neu-Ulm, in allen kreiseigenen Museen, im Bildungszentrum Kloster Roggenburg und bei der Stadt Weißenhorn gratis erhältlich. Die Auflage beträgt 10.000 Exemplare, komplett finanziert vom Landkreis Neu-UIm. Gestaltet hat den Kunstführer für die ganze Familie der Grafiker Norbert Riggenmann aus Attenhofen. Die Redaktion lag bei Museumspädagogin Sabine Moser vom Landratsamt Neu-Ulm. Die Texte in der Broschüre stammen von Kunsthistoriker Dr. Matthias Kunze, dem Leiter des Heimatmuseums Weißenhorn. Er widmet sich nicht nur dem Schaffen Franz Martin Kuens, sondern gibt profunde, aber dennoch verständliche Einblicke in das Phänomen barocke Deckenmalerei, die – so schreibt Kunze – „zu den bedeutendsten Kulturleistungen des 18. Jahrhunderts zählt“.

Pater Roman Löschinger vom Kloster Roggenburg, wo Kuen über rund 20 Jahre hinweg künstlerisch wirkte, sagte bei der Präsentation der Publikation im Landratsamt, für die Menschen damals sei das wie heute für uns „Public Viewing“ gewesen: „Die Leute konnten sich gar nicht daran sattsehen.“ Warum, das erklärt Dr. Matthias Kunze im Begleitheft so: „Hoch über ihren Köpfen erlebten die Gläubigen in einer ansonsten bilderarmen Zeit den spektakulären Siegeszug einer Kunst, die ihnen in überwältigender Weise die Welt des Glaubens offenbarte.“

Franz Martin Kuen verband dabei hochkarätige Malkunst mit Weltläufigkeit. Aus seinem damals gerade einmal 1.200 Einwohner zählenden Heimatstädtchen Weißenhorn zog er hinaus in die große Welt - nach Rom und Venedig, den Zentren der europäischen Deckenmalerei des Barock. Kuen lernte und arbeitete bei Giovanni Battista Tiepolo (1696 – 1770), dem bedeutendsten Freskanten seiner Zeit. Wieder zu Hause brachte er das „ganz große Kino“ (Kunze) in seine schwäbische Heimat.

23 Orte in Wort und Bild
Der Kunstführer zum Kuen-Jahr stellt in Wort und Bild 23 Orte im Landkreis Neu-Ulm vor, wo man die wichtigsten Barockfresken Kuens und anderer Meister bestaunen kann: von Oberelchingen im Norden bis Matzenhofen im Süden, von Ingstetten im Osten bis Ay im Westen. Dazu kommen 13 Bauwerke in der Nachbarschaft, etwa die Bibliothek des ehemaligen Benediktinerklosters in Wiblingen oder die Wallfahrtskirche Allerheiligen bei Scheppach im Landkreis Günzburg.

Die Meisterwerke können im doppelten Wortsinn „er-fahren“ werden. Zudem wird es ein Begleitprogramm mit rund 40 Veranstaltungen geben: Führungen, Lesungen, Konzerte, Kurse, Workshops. Im Mittelpunkt werden dabei zwei große Ausstellungen zum Kuen-Jubiläum stehen: vom 12. April bis 30. Juni in Weißenhorn und vom 17. Juli bis 1. Dezember 2019 im Kloster Roggenburg. Dafür gewähren der Bezirk Schwaben und der Freistaat Bayern Zuschüsse.

Die Katholische Erwachsenen-Bildung (KEB) Neu-Ulm hat angekündigt, interessierte und geeignete Personen auszubilden, die durch die Kirchen, Klöster und Ausstellungen führen. Die Volkshochschule im Landkreis Neu-Ulm plant, in Zusammenarbeit mit Dr. Matthias Kunze Studienfahrten anzubieten.