16.02.2016

Konjunkturumfrage: Positiver Start ins Jahr 2016

Die regionale Wirtschaft ist gut ins neue Jahr gestartet. Zu Jahresbeginn laufen die Geschäfte weiter rund. Trotz zunehmender Unsicherheitsfaktoren sind die Betriebe zudem recht zuversichtlich. Sogar das Investitionsklima hellt sich wieder auf.

Die Wirtschaft der IHK-Region Ulm startet positiv ins Jahr 2016. Nach einer kleinen Delle im Herbst legt die Stimmung zu Jahresbeginn wieder zu. Rund die Hälfte der Unternehmen berichtet von derzeit gut laufenden Geschäften. Weitere 44 Prozent vermelden zumindest eine befriedigende Lage. Ursache hierfür sind ordentliche Umsatzzahlen. Zudem hat sich die Ertragslage gegenüber Herbst noch einmal merklich verbessert.

 

Gleichzeitig wächst auch die Zuversicht unter den Betrieben. Unbeirrt von nationalen und internationalen  Unsicherheiten ziehen die Erwartungen für die kommenden zwölf Monate an. Das Gros der Wirtschaft sieht eine weitere Entwicklung auf dem erreichten, guten Niveau. Mehr als jedes vierte Unternehmen erwartet in diesem Jahr sogar eine Verbesserung. Eine steigende Tendenz bei den Auftragseingängen untermauert diese Einschätzungen dabei zusätzlich.

 

In der Folge legt auch der IHK-Konjunkturklimaindex, ein Maß für die Lageurteile und die Erwartungen, um fünf Punkte zu und steht nun bei 129 Zählern. „Diese Entwicklung ist erfreulich und erstaunlich zugleich. Gegenwärtig ist jedenfalls auch 2016 von einem soliden Wirtschaftswachstum auszugehen“, kommentiert IHK-Präsident Dr. Peter Kulitz das Ergebnis der aktuellen Konjunkturumfrage.

 

Hauptstütze ist und bleibt der private Konsum. Dessen Treibstoff sind günstige Ölpreise und niedrige Zinsen. Zudem ist der regionale Arbeitsmarkt seit vielen Monaten in hervorragender Verfassung. Auch im Dezember herrschte mit einer Arbeitslosenquote von 2,9 Prozent quasi Vollbeschäftigung in der IHK-Region Ulm. Und da nunmehr gut jedes vierte Unternehmen von einem weiteren Stellenaufbau ausgeht, dürfte der Arbeitsmarkt auch künftig den privaten Konsum stimulieren. Denn zugleich wollen fast 55 Prozent der Betriebe ihren derzeit ohnehin hohen  Personalbestand  halten.

 

Hinzu kommen nun weitere binnenwirtschaftliche Elemente. So werden die staatlichen Akteure in den kommenden Monaten hohe Summen für die Integration der Flüchtlinge investieren müssen. Auch hellt sich das Investitionsklima der Betriebe wieder auf. Nahezu jedes dritte Unternehmen plant im Jahr 2016 eine steigende Inlandsinvestitionstätigkeit. Dabei soll das Geld in zunehmendem Maße in Innovationen fließen. Aber auch Investitionen zur Kapazitätserweiterung gewinnen etwas an Bedeutung.

 

Beim Auslandsgeschäft fallen die Erwartungen trotz schwachen Eurokurses verhaltener aus. Die gute wirtschaftliche Entwicklung in den USA und eine gewisse Erholung der Eurozone stützen die Exporte. Dem stehen schwächelnde Absätze in Russland und China gegenüber. Hoffnung für die Zukunft stellt die Aufhebung der Iran-Sanktionen dar.

 

„Das derzeit positive Konjunkturklima ist zweifelsfrei mit einigen Risiken behaftet. Umso wichtiger ist es daher, das die Rahmenbedingungen für Unternehmen verbessert und nicht zusätzliche Belastungen eingeführt werden. Statt also die Erbschaftssteuer über die Vorgaben des Bundesverfassungsgerichtes hinaus zu verschärfen, sollte die Politik lieber die bürokratischen Hürden bei der Beschäftigung von Flüchtlingen entschärfen“, appelliert Kulitz an Berlin.

 

Stabile Industriekonjunktur
Die regionale Industrie bleibt stabil. Dank einer ordentlichen Inlandsnachfrage sowie einer global breiten Aufstellung haben es die Industriebetriebe in den vergangenen vier Monaten geschafft, etwaige Nachfrageausfälle zu kompensieren und die Kapazitäten noch etwas mehr auszulasten. Die Ertragssituation verbessert sich. Gut neun von zehn Produzenten geht es zu Jahresbeginn gut oder zumindest befriedigend.  Besonders gut laufen die Geschäfte dabei weiterhin in der Investitionsgüterindustrie, gefolgt von den Vorleistungsgüterproduzenten. Tabellenschlusslicht bleiben die Konsumgüterhersteller.

 

Im Hinblick auf die kommenden zwölf Monate sind vor allem die Vorleistungsgüterproduzenten zuversichtlicher gestimmt als noch im Herbst. Dies sorgt dafür, dass auch die Industrie insgesamt mit etwas höheren Erwartungen in das neue Jahr startet. Zwar fallen die Auftragseingänge aus dem Ausland geringer aus. Über das Jahr gesehen werden die Absatzmöglichkeiten auf den Weltmärkten derzeit jedoch nicht schlechter eingeschätzt als im Herbst. Vor allem aber profitiert auch die Industrie von der starken Binnennachfrage.

 

Als Risiko für die weitere Entwicklung gewinnen angesichts der exportförderlichen Euronotierung sich ändernde Wechselkurse an Bedeutung. Vor dem Hintergrund der anstehenden Tarifverhandlungen rückt zudem das Thema Arbeitskosten in den Vordergrund. Letzteres ist dabei vielleicht auch mit eine Ursache, warum die Industrieunternehmen bei ihren Beschäftigungsplänen weiter Vorsicht walten lassen. Die Investitionsbereitschaft nimmt hingegen wieder merklich zu.

 

Groß- und Einzelhandel: Starker Jahresauftakt mit Ausnahmen
Der Einzelhandel profitiert von ordentlichen Umsätzen im Weihnachtsgeschäft und der starken Konsumbereitschaft. Die Geschäfte laufen bei mehr als jedem vierten Einzelhändler gut. Bei weiteren 62 Prozent zumindest befriedigend. Gegenüber Herbst gibt der Lageindikator dennoch nach. Grund hierfür ist der milde Winter, der Anbietern von Saisonware wie Sportgeschäften oder Textil-Einzelhändlern zu schaffen macht. Zudem senkt die Branche auch ihre Erwartungen. Vorwiegend wird nun eine Weiterentwicklung auf dem erreichten Niveau gesehen. Das Risiko eines Rückgangs der Inlandsnachfrage schätzen die Einzelhändler deutlich höher ein als noch im Herbst. Zudem greift der Onlinehandel einen wachsenden Teil der zusätzlichen Kaufkraft ab. Wohl auch deswegen gibt fast die Hälfte der investitionswilligen Einzelhändler an, Vertriebsinnovationen vorantreiben zu wollen. Die Investitionspläne bleiben dabei moderat aufwärtsgerichtet, ebenso die zum Personalbestand.

 

Der Großhandel bewegt sich weiter auf beachtlichem Niveau. Die Umsätze legen erneut zu. Die Folge sind eine ordentliche Ertragslage und nach wie vor herausragende Lageurteile. Besonders der produktionsverbindende Großhandel ist in guter Verfassung und kann gegenüber dem Vortertial zulegen. Aber auch den konsumnahen Großhändlern geht es gut. Und da die Tendenz bei den Bestellungen wieder nach oben zeigt, gewinnen die optimistischen Stimmen an Boden. So gehen die Großhändler auch für 2016 von einer positiven Umsatzentwicklung aus. Die ohnehin sehr expansiven Investitions- und Beschäftigungspläne werden noch einmal leicht nach oben geschraubt.

 

Dienstleistungsbranche floriert
Bei den Dienstleistern laufen die Geschäfte auf Hochtouren.  Umsätze und Gewinnsituation verbessern sich teils noch einmal merklich. Mehr als der Hälfte an Firmen geht es nun gut. Gerade einmal zwei von zehn Dienstleistungsunternehmen schlecht. Die derzeitige Tendenz beim Auftragsvolumen spricht zudem dafür, dass sich hieran wenig ändern wird. In Erwartung weiterer Umsatzsteigerungen hellen sich die Aussichten sogar spürbar auf. Insofern steigt auch die Investitionsbereitschaft der Serviceunternehmen. Größtes Problem bleibt der Fachkräftemangel, zumal nach wie vor Personal aufgebaut werden soll.

 

Der Aufwärtstrend zieht sich durch nahezu alle Servicesparten. Besonders gut stehen die unternehmensnahen Dienstleister da. Diese profitieren von einer schon länger anhaltenden, regen Nachfrage. Und diese wird nach derzeitiger Tendenz auch weiter anhalten. Ähnliches gilt für das Verkehrsgewerbe. Zudem wird diese Servicesparte natürlich auch durch die gegenwärtig relativ moderaten Spritpreise begünstigt.

 

Auch im Hotel- und Gaststättengewerbe laufen die Geschäfte besser als im Herbst. Dort ist insbesondere die gestiegene Kaufkraft zu spüren. So ist das Umsatzplus vor allem auf das Geschäft mit Privatkunden zurück zu führen. Die Aussichten trüben sich allerdings ein. Bei den Kreditinstituten verharren Erwartungen wie Lage hingegen unverändert auf dem reduzierten, aber positiven Niveau von Herbst. Die niedrigen Zinsen halten bei den Kreditinstituten weiter die Gewinnmargen klein. Zudem lässt die Kreditnachfrage von Firmenkunden noch immer zu wünschen übrig.