12.07.2017

Neue Heimat des Bienenmuseums mit ausgezeichnetem Design

Die neu gestaltete Dauerausstellung im Bienenmuseum Illertissen hat einen Preis eingefahren. Dort sind auch 50 000 Jahre alte Ur-Bienen zu sehen. Das Bienenmuseum ist zudem mit dem Schwäbischen Museumspreis der Hans-Frei-Kulturstiftung bedacht worden. Für die 3000 Euro Preisgeld erweitert der Landkreis Neu-Ulm die Grafik-Sammlung des Museums.

Die neugestaltete Dauerausstellung des Bienenmuseums in Illertissen hat einen Design-Preis eingeheimst. (Foto: Neonpastell)

Die Urkunde ist bereits gut sichtbar im Eingangsbereich positioniert. Das Bayerische Bienenmuseum im Vöhlinschloss in Illertissen hat für die Gestaltung seiner Dauerausstellung beim „European Design Award“ einen dritten Preis eingeheimst. Ausgezeichnet wurde damit die Arbeit der Augsburger Agentur Neonpastell, die der Präsenta­tion ihren gestalterischen Stempel aufgedrückt hat.

Von 2012 bis September vergangenen Jahres war das Bienenmuseum geschlossen. Grund war die Sanierung eines Teil des Schlosses, bei der auch ein Aufzug eingebaut wurde. Während der Arbeiten gab es immer wieder Überraschungen. So habe sich herausgestellt dass die Brücke über den Schlossgraben baufällig und vorübergehend unpassierbar war, erzählt Museumsleiter Walter Wörtz. Der Auf- und Einbau der neuen Dauerausstellung sei dann innerhalb von zwölf Monaten über die Bühne gegangen.

Nach 28 Jahren war es Wörtz zufolge höchste Zeit gewesen, die alte Präsentation abzulösen. Eineinhalb Jahrzehnte seien normalerweise das höchste der Gefühle für eine Dauerausstellung. Wobei der Museumsleiter betont, die aktuelle Ausstattung des Bienenmuseums werde auch in 20 Jahren noch brauchbar sein: „Das ist eine qualitätsvolle Geschichte.“

Mit dem Augsburger Büro habe er bereits früher zusammengearbeitet und gute Erfahrungen gemacht, sagt Wörtz. Bei der Gestaltung der neuen Dauerausstellung sei es darum gegangen, die Natur ins Museum zu holen. „Also wählten wir Furnierholz als Material für die Einbauten.“ Diese sind aus dem hellen Holz der Kanadischen Hemlocktanne gefertigt und dienen gleichzeitig als Texttafeln. Mit diesem Holz haben die Gestalter den Bogen zum „natürlichen“ Ausstellungsgegenstand geschlagen, den Bienen.

Inszenierung der Wirklichkeit

Auf der anderen Seite sollte die Ausstellung auch nicht zu naturnah werden: „Das drückt sich in der Künstlichkeit der Farben aus“, erläutert Wörtz. So bekam jeder der fünf Themenräume seinen eigenen farblichen Spannungsbogen: mal Altrosa, mal grelles Grün. Diese leuchtenden Akzente sind immer dann zur Stelle, wenn Objekte in Szene gesetzt werden. Aufpassen, so lautet die unausgesprochene Aufforderung an die Besucher: Dies hier ist ein Museum. Dies hier ist nicht die Wirklichkeit, sondern eine Inszenierung von ihr.

Eine nicht zu unterschätzende Herausforderung für die Gestalter bestand darin, die Kontraste aus Alt und Neu zu verbinden. Sie fanden dafür viele Lösungen, setzten etwa Kupferstiche oder Details daraus als grafische Elemente ein, die wie die Texte unmittelbar auf die Ausstellungswände gedruckt sind. Zur Lesefreundlichkeit tragen der klassische Satz der Texte und die zurückhaltende Maserung des Holzes bei. Die Information steht also im Vordergrund.

Ausstellung kommt gut an

Etwa 280.000 Euro habe der Einbau der Dauerausstellung gekostet, sagt Walter Wörtz, ohne die Technik. Das Ergebnis wirkt frisch, zeitlos modern und kommt nach den Worten des Museumsleiters beim Publikum an. Seit der Wiedereröffnung im September seien etwa 7500 Besucher gezählt worden. Dazu trage nicht nur die neue Gestaltung bei, sondern auch die Museumspädagogik. Vier bis fünf Kindergarten- oder Schülergruppen besuchten allwöchentlich das Museum.

Doch auch die Erwachsenen lobten die Neugestaltung, sagt Wörtz, das zeigten die Einträge im Besucherbuch. Wobei es auch kritische Stimmen gebe. So habe ein Gast das Fehlen von „Sehenswürdigkeiten“ im Bienenmuseum bemängelt. Das lässt Wörtz nur teilweise gelten. „Wir haben keinen Löwenmensch“, räumt er ein. Dafür aber in Bernstein konservierte Ur-Bienen, die etwa 50 Millionen Jahre alt sind. „Und die größte Grafiksammlung zum Thema Honigbienen.“ Das älteste der 140 Originale ist ein Holzschnitt aus dem Jahr 1490. (Text: Thomas Vogel/SWP)

Info Das Bayerische Bienenmuseum im Illertisser Vöhlinschloss ist donnerstags bis sonntags sowie an Feiertagen jeweils von 13 bis 17 Uhr geöffnet.