25.10.2016

Alb-Donau-Kreis: Neues Tourismus-Leitbild

Tourismus ist im Alb-Donau-Kreis ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Wer sind wir? Wo wollen wir hin? Welche touristischen Besonderheiten können wir besser vermarkten? Diese und zahlreiche weitere Fragen hat die Tourismusförderung des Alb-Donau-Kreises in einem "Leitbildprozess" mit Betrieben, Kommunen, Vereinen und anderen im Tourismus tätigen Organisationen herausgearbeitet.

Die Schöne Lau am Blautopf könnte bei der Tourismuswerbung des Alb-Donau-Kreises eine größere Rolle spielen, finden einige Kreisräte – neben den Schlagern Eiszeitkunst und Höhlen. (Foto: Matthias Kessler/SWP)

Das Wort „Wir“ spielt im neuen Tourismus-Leitbild des Alb-Donau-Kreises eine gewichtige Rolle. „Wir sind bekannt als Wiege der Kunst und Musik.“ „Wir heißen unsere Gäste willkommen.“ „Wir sind eine Top-Adresse als Rad- und Wanderregion.“ Das sind nur drei von mehreren Leitsätzen, die sich zu dem Thema wiederfinden, und die in der Kreistagssitzung  am Montag bei allen Fraktionen auf viel Zuspruch gestoßen sind. Städte, Gemeinden, touristische Betriebe und Organisationen sollen dieses „Wir“ in ihrer Arbeit und ihrer Darstellung verinnerlichen und nach außen vertreten, sich nicht als Konkurrenz verstehen. Die Zustimmung zu dem Leitbild, das den Auftakt zu einer neuen und erfolgreichen Entwicklung im Tourismus  geben soll, war einstimmig. Der Titel: „Der Alb-Donau-Kreis als aktives Erlebnis: Wiege der Kunst und Musik, Höhlen, Felsen und blaue Quellen, Donau-Flair“.

Erarbeitet wurde dieses Leitbild im Auftrag des Kreises von der Berliner Firma „Project m“. Deren Mitarbeiter haben zunächst den Status-quo an touristischen Angeboten und Anbietern erfasst. Das könne sich durchaus sehen lassen, sagte Hagen Melzer von „Project m“.

Landrat Heiner Scheffold hatte das zuvor mit Zahlen untermauert: Der Tourismus im Kreis habe eine Wertschöpfung von gut 240 Millionen Euro im Jahr, biete viele Arbeitsplätze in kleineren und mittleren Betrieben, die Übernachtungszahlen hätten sich seit 1995 verdoppelt und lägen nun bei rund 500.000 im Jahr.

Melzer hat aber auch Schwachpunkte ausgemacht: zum einen das schwach ausgeprägte „Wir-Gefühl. Zum anderen müssten klar Themen gesetzt werden. Sinnvoll sei eine „Best-of-Strategie“: „Lieber weniger, aber dafür gute Angebote“. Das, was der Kreis als Alleinstellungsmerkmale besitzt, müsste  herausgearbeitet und dann mit Radfahren und Wandern unterlegt werden. Zwei „Produktlinien“ sind in dem Leitbild festgeschrieben: „Höhlenreich“, dazu zählen neben den vielen Höhlen in der Region auch Felsen und Quellen. Diese müssten – obwohl vielfach unsichtbar – virtuell sichtbar gemacht werden, etwa mit Kurzvideos oder Podcasts. Dazu zählt auch „Radschlendern“: Um mehr Radtouristen anzulocken sei mehr Service in der Fläche, mehr Aufenthaltsqualität gefordert.

Melzer schlug vor, Radtouren zu prägenden Landschaftsformen zu entwickeln, die Gastronomie an den Strecken besser zu erschließen, E-Bike-Touren anzubieten.  Als drittes Standbein dieser Produktlinie steht „Wandern 365“:  Auch hier gelte es Gastgeber zu finden, die vor allem Tagestouristen und Menschen aus Umgebung ein attraktives Angebot entlang der Strecken bieten. Auch sollte sich der Kreis laut Melzer des Themas Wandern im Winter annehmen. Die zweite „Produktlinie“ heißt „Meisterstücke“. Selbstredend schlägt sich hier das Thema Eiszeitkunst nieder und damit die Marke „Weltkultursprung“. Die Aktivitäten in diesem großen Feld sollten laut Hagen Melzer mehr gebündelt, besser vernetzt werden. Die Welterbestätten sollten stärker verknüpft und mit weiterreichenden Angeboten gekoppelt werden. Er kann sich nicht nur Höhlen-Events vorstellen, sondern auch ein eigenes Jazz-Festival oder anderes Musikereignis. „Da kann die Region von Ulm profitieren.“

Landrat Scheffold lobte die Arbeit aller an der Ausarbeitung des Leitbildes Beteiligten. „Uns war wichtig, dass sich  alle einbringen konnten, und viele haben das auch getan.“ Das Leitbild sei nun der Grundbaustein, auf dem die weitere Ausgestaltung des Tourismus „aufbaut und wächst“. Dazu könne auch die Ausarbeitung eines eigenen Slogans gehören.

Um das Wir-Gefühl umzusetzen, seien aber klare Strukturen nötig. Das hatte zuvor auch Hagen Melzer betont: Diese Kooperation müsse festgeschrieben sein, in verbindlichen Arbeits- und Kommunikationsstrukturen. Nur so könne die Identifkation mit den Werten, Zielen und Vorgaben erreicht werden. Das wird nun der nächste Schritt sein. (Text: Südwest Presse Ulm)