24.02.2017

Uni Ulm feiert ihren 50. Geburtstag

Mit einem Festakt und einem Ball feierte die Universität Ulm am Freitag, 24. Februar, ihr 50-jähriges Bestehen. Unter den Jubiläumsgästen waren der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann sowie Professor Peter Strohschneider, Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), der den Festvortrag über die „pluralistische Universität“ hielt. Ulms Oberbürgermeister Gunter Czisch überbrachte ein besonderes Geschenk.

Universitätsjubiläum mit prominenten Gratulanten (v.l.): DFG-Präsident Prof. Peter Strohschneider, Ministerpräsident Winfried Kretschmann, Prof. Michael Weber (Präsident Universität Ulm) und der Ulmer Oberbürgermeister Gunter Czisch. Foto: Eberhardt/Uni Ulm

Am 25. Februar 1967 war die Medizinisch-Naturwissenschaftliche Hochschule Ulm mit einem Festakt im Kornhaus gegründet worden. Der Lehrbetrieb startete im Wintersemester 1969 mit nur rund 60 Studierenden in provisorischen Räumen in der Innenstadt. 50 Jahre später ist die forschungsstarke Universität Ulm Mittelpunkt der Wissenschaftsstadt – und im Jubiläumsjahr wird mit einem umfangreichen Programm gefeiert. Den offiziellen Auftakt markierte der Festakt im Congress Centrum Ulm (CCU) am Freitagnachmittag mit mehr als 900 Gästen. Unter den prominenten Gratulanten waren der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann, Ulms Oberbürgermeister Gunter Czisch, der Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) Professor Peter Strohschneider sowie zahlreiche weitere Persönlichkeiten aus Stadt, Land und Bund. Neben dem ehemaligen baden-württembergischen Ministerpräsidenten Professor Erwin Teufel und zahlreichen Parlamentariern nahmen etliche Universitätsrektoren und Kanzler am Festakt teil.

Mit einem Filmausschnitt von der Gründungsfeier 1967 stimmte Universitätspräsident Professor Michael Weber die Gäste auf den Festakt ein. In seiner Ansprache blickte der 2015 zum Universitätspräsidenten gewählte Informatiker jedoch nicht nur auf die Anfangsjahre zurück. Denn in 50 Jahren hat sich die einst von Ulmer Bürgern „ertrotzte“ Universität hervorragend entwickelt: In internationalen Rankings zählt sie seit einigen Jahren zu den besten jungen Unis Deutschlands. Hohe Drittmitteleinwerbungen, vier DFG-Sonderforschungsbereiche, sechs ERC Grants sowie renommierte Nachwuchsprogramme belegen die Forschungsstärke der jüngsten Landesuniversität. Das Fächerspektrum ist weiterhin medizinisch, naturwissenschaftlich, mathematisch und technisch geprägt, doch inzwischen studieren fast 11 000 junge Menschen an der ursprünglich auf 1600 Studierende ausgelegten Hochschule. „Nach einem halben Jahrhundert ,Universitätsgeschichte‘ darf man gerne feststellen, dass sich die Universität Ulm seitdem prächtig entwickelt hat“, sagte Professor Weber in seinem Grußwort. Ein stetiger Ausbau um neue Fächer habe dazu beigetragen, dass die Universität heute ein nahezu einzigartiges und fokussiertes Profil vorweisen könne, welches sie auch gegenüber anderen Standorten heraushebe.

Und auch für die zweite Hälfte ihres ersten Jahrhunderts sei die Universität Ulm bestens positioniert. „Im Rahmen ihrer Struktur- und Entwicklungsplanung wird sie sich auf wichtige übergreifende Forschungsthemen fokussieren, um, immer bezogen auf ihre Fächer, Beiträge zu den großen globalen Herausforderungen in den Bereichen Alterung, Nachhaltigkeit, Technologien der Zukunft sowie Mensch und Gesundheit zu leisten“, erläuterte Weber. Die nächste Herausforderung sei die Beteiligung an der Exzellenzstrategie des Bundes und der Länder, bei welcher die Universität Ulm, zum Teil mit Partnern, drei Anträge zu Exzellenzclustern in den Bereichen Traumaforschung, Quantentechnologie und Energiespeicherung stellen werde. „Ich freue mich sehr, dass wir mit den heutigen Feierlichkeiten zum 50-jährigen Jubiläum gemeinsam in die Zukunft, das heißt zunächst in die kommenden 50 Jahre starten werden“, schloss der Präsident.

 

Glückwünsche vom Landesvater und eine Stiftungsprofessur

Bereits im Frühjahr 2014 hatte Ministerpräsident Winfried Kretschmann die Universität Ulm besucht und sich ein umfassendes Bild gemacht. Im vollbesetzten CCU überbrachte er der jüngsten Landesuniversität seine Glückwünsche „Es gab schon vor 50 Jahren gute Argumente für eine Universität auch in Ulm: Der Einzugsbereich, die bereits vorhandene Exzellenz und die Wirtschaftskraft der Region. Vor allem aber ist die Universität Ulm wie keine andere unserer Landesuniversitäten auf Wunsch und mit Unterstützung der Bürger der Stadt entstanden“, so Kretschmann. „Gemeinsam mit der Hochschule Ulm und der Hochschule Neu-Ulm bildet die Universität heute ein Trio, das in Sachen Wissenschaft und Forschung den Ton in der Region angibt.“ Der Ministerpräsident machte den Erfolg der Universität Ulm bei den „Regionalen Forschungsallianzen“ publik. Vom Land mit 900 000 Euro gefördert, überträgt eine interdisziplinäre Forschergruppe der Universitäten Ulm und Stuttgart sowie des Max Planck-Instituts für Festkörperforschung Erkenntnisse der Quantenwissenschaften in die industrielle Anwendung. Möglichkeiten reichen von hochsensiblen Sensoren bis zu Magnetresonanztomographen, mit denen sich Stoffwechselprozesse beobachten lassen.

In seinem Grußwort unterstrich der Ulmer Oberbürgermeister Gunter Czisch (CDU) ebenfalls die Bedeutung der Ulmer Universität für Stadt und Region. Czisch betonte, dass die Universität Ulm und in deren Folge die Einrichtungen der Wissenschaftsstadt Ulm den Weg in die Wissensgesellschaft geebnet hätten: „Was Ulm heute ist, was es an Chancen in den letzten Jahren erhalten und wahrgenommen hat, das verdankt es auch seiner Universität.“ Bildung und Innovation komme in Zeiten von Globalisierung und Wissensgesellschaft ein besonderer Stellenwert zu. „Man mag sich nicht ausmalen, wo wir heute stünden, wenn damals die Entscheidung für die Ulmer Universitätsgründung nicht getroffen worden wäre. Wir wissen heute sehr gut, dass ohne die Universität, die Hochschule und die Einrichtungen der Wissenschaftsstadt der Strukturwandel in unserer Region nicht so erfolgreich gelungen wäre.“

Für die Stadt sei das 50-jährige Jubiläum daher auch Anlass, einen weiteren Impuls zu setzen. Czisch kündigte an, die Stadt werde eine Stiftungsprofessur „Vernetzte Mobilitätssysteme“ ins Leben rufen, mit dem Ziel, das Thema „Digitale Mobilität“ zu vertiefen, das, so der Oberbürgermeister, „eines der ganz großen Themen der künftigen städtischen Entwicklung“ sei.

Czischs Amtsvorgänger Ivo Gönner nahm ebenso am Festakt teil wie Alt-Oberbürgermeister Ernst Ludwig, der als Universitätsbeauftragter der Stadt die Ulmer Neugründung in den 1960-er Jahren vorangebracht hatte. Am Gründungstag feiert Ludwig seinen 90. Geburtstag.

 

Festvortrag "Herausforderungen der pluralistischen Universität"

Als Festredner konnte Professor Peter Strohschneider gewonnen werden. In seinem Vortrag gratulierte der Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft der Ulmer Universität zum 50. Geburtstag. In seinem Festvortrag befasste sich Strohschneider mit dem vielfältigen Wandel des „Institutionentyps Universität“ in den vergangenen fünf Jahrzehnten und mit der Rolle und den Herausforderungen der „pluralistischen Universität“ angesichts aktueller gesellschaftspolitischer Entwicklungen. Die Universität, so Strohschneider, sei ein Ort des Streitens, des Streiten-Könnens und der ,Zumutung‘ im positiven Sinne und zum Besten der Gesellschaft, die die Universität trage. „Sie war ein solcher Ort hier in Ulm im zurückliegenden halben Jahrhundert. Und sie wird es auch in den kommenden 50 Jahren sein. Das jedenfalls ist der wichtigste Wunsch, den ich mir zum Universitätsgeburtstag denken kann. Dafür lohnt sich jede und Aller Anstrengung“, so der DFG-Präsident.

 

Jubiläumsprogramm wird fortgesetzt

Der Festakt wurde von einem Ensemble des Ulmer Universitätsorchesters begleitet und mündete in einem Empfang und schließlich im Ball. Doch auch nach dem Gründungstag feiert die Universität Ulm weiter. Höhepunkte sind der 50. Jahrestag mit anschließender langer Nacht der Wissenschaft am 21. Juli sowie die Ulm Lectures mit international hochrenommierten Wissenschaftlern. Den Anfang macht der Nobelpreisträger Professor Harald zur Hausen am 9. März (18:00 Uhr) im Ulmer Stadthaus. Für den 13. Oktober ist das Zukunftsforum der UUG und der Universität Ulm geplant.